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Filme März / April 2026

Sobald die Termine feststehen, könnt ihr sie hier finden.

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Mittwoch 4. März
18:00 & 20:20
Der Fremde

von François Ozon
Frankreich 2025, 122 min

 

Der Fremde

François Ozon ist ein Magier des Kinos! Er zaubert Filme rasend schnell auf die Leinwand, ist ein Meister auf der Klaviatur der Genres und ein würdiger Nachfolger von Claude Chabrol. Mit Der Fremde ist ihm jetzt wieder ein wahres Juwel gelungen, eine meisterliche Verfilmung von Albert Camus' großem existenzialistischen Roman. Stilistisch brilliant, erinnert er uns an die Liebesgeschichte, den Film Frantz, den wir 2017 im stattKino gezeigt hatten.

„Ich wollte lediglich sagen, dass der Held meines Buches verurteilt wird, weil er nicht mitspielt. In dieser Hinsicht ist er der Gesellschaft, in der er lebt, fremd; er wandert am Rande, in den Vororten eines privaten, einsamen, sinnlichen Lebens.“ So hat Camus die Essenz seines Buches selbst zusammengefasst.
Ozon hat sich bei der Verfilmung des Romans sehr genau an dieser Beschreibun orientiert: Ein Held am Rande der Gesellschaft, der sein privates sinnliches Leben führt und stoisch die Konsequenz seines Handelns erträgt. "Man muss sich Sisyphos als einen glücklichen Menschen vorstellen" , kommt uns da gleich in den Sinn.

Die Neuverfilmung von Ozon zeichnet sich durch die historische Perspektive aus. Während der Roman 1939 geschrieben wurde, als Algerien noch ganz selbstverständlich eine französische Kolonie war - und kein Thema für Camus - hat Ozon diesen Aspekt sichtbar eingearbeitet. Der Held Meursault hat einen Mord begangen und er erwartet von der Justiz, dass dieses Verbrechen gesühnt wird. Im Roman wird im Prozess der ermordete "Araber" nie erwähnt und dessen Schwester Djemila bleibt namenlos. Im Film hat sie jedoch ein Gewissen und eine Stimme, die sich für den Bruder einsetzt. "Es war wichtig, durch ihre Figur zu zeigen, wie der Araber unsichtbar gemacht wird, dass zwei Welten nebeneinander existierten, ohne sich zu sehen", sagt Ozon in einem Interview.

Im Film wird uns in der Rückschau die koloniale Perspektive eindrücklich vermittelt. Wir erleben eine Welt, in der die Kolonialherren ihr priviligiertes Leben führen und die Einheimischen überhaupt nicht zählen.

Fazit: Das Porträt eines jungen Mannes der Gegenwart – desillusioniert, von der Welt abgeschnitten – der keinen Sinn in seinem Leben sieht.

Interview mit Francois Ozon

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Dienstag 10. 18:00 & Mittwoch 11. März
18:00 & 20:00
Amrum

von Fatih Akin
Deutschland 2025, 94 min
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Amrum

Nach Amrum, der Geschichte eines kleinen Jungen in den letzten Kriegstagen auf der Nordseeinsel, haben schon einige von euch gefragt, wollen ihn sich sogar nochmal anschauen! Der kleine Junge ist Hark Bohms Alter Ego; er wollte den Film noch selbst realisieren mit Fatih Akin als Produzenten. Doch dann wurde ihm klar, dass er in seinem Alter nicht mehr die Kraft hat für die nervenaufreibende Arbeit der Inszenierung. So übernahm Bohms langjähriger Freund Fatih Akin auch die Rolle des Regisseurs. Über die Entwicklung des Drehbuchs erzählt Akin: "Hark hat eine sehr poetische Schreibe, auch im Drehbuch. Da finden sich oft spektakuläre Naturbeschreibungen. Dabei ist ein Skript meist nur 10 Prozent Poesie und 90 Prozent Gebrauchsanweisung. Bei ihm war es genau andersrum, das Drehbuch hatte schon so eine literarische Kraft. Aus seiner Version hat er den Roman entwickelt. Und ich habe parallel aus dem 300 Seiten langen Drehbuch meine eigene Version kondensiert." Nachdem es lange ruhig um ihn geworden war, sind Film und Roman nun Hark Bohms Vermächtnis. Er hat den Erfolg noch miterlebt - am 14. November 2025 ist er mit 86 Jahren gestorben.

Die Geschichte ist im Kern ein Abenteuer des zwölf Jahre alten Nanning, der ein Brot mit Butter und Honig für seine traurige Mutter besorgen will. Kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs ist die stramm nationalsozialistische Hamburger Familie auf die Insel geflohen. Nun wird die schwangere Mutter immer trauriger, je näher das Ende des Nazi-Reiches kommt. Das letzte, worauf sie sich gefreut hatte, war ein Butterbrot mit Honig. Nanning will versuchen, die einzelnen Bestandteile zusammenzubekommen. Das vermeintliche Wundermittel gegen Mutters Traurigkeit wird noch dringender gebraucht, als die Nachricht von Hitlers Tod die Insel erreicht. Auf seiner Mission erfährt Nanning allerdings auch einige unerfreuliche Wahrheiten über seine Familie.

Bis in die kleinste Nebenrolle, unter anderem mit Laura Tonke, Diane Krüger, Detlev Buck und Matthias Schweighöfer prominent besetzt, erzählt Amrum von Freundschaft und Erwachsenwerden, von der Macht der Natur und der von Krieg, von Liebe und der Suche nach dem eigenen Weg. Fatih Akin sieht „Amrum als ein ganz besonderes Filmprojekt: „‘Amrum‘ handelt von der Vertreibung aus dem Paradies. Dieser Film war eine Mission, eine Reise in die Tiefen meiner ‚Deutschen Seele’. Vielleicht die letzte Lektion, die mich Meister Hark Bohm gelehrt hat: das Kino bleibt ein ewiges Mysterium. Eine Einladung nach Cannes ist das schönste Geschenk für jeden Filmemacher.“

Fazit: Die Geschichte eines Nazi-Pimpfs, der sich an der Schwelle einer neuen Zeit und in der wilden Amrumer Landschaft, zwischen Flundern, Robben, Prielen und depressiven Faschisten zurechtfinden muss.

Lass mal auf deine Insel gehen...Interview mit Fatih Akin - epd-Film.de

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Dienstag 17. März
18:00 Uhr OmU &
Mittwoch 18. März
18:00 & 20:10 DF
The Mastermind

von Kelly Reichardt
USA 2025, 110 min
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The Mastermind

Die amerikanische Filmemacherin Kelly Reichardt ist eine in Cineasten-Kreisen hochgeschätzte Filmemacherin des amerikanischen Independent Kinos. Sie erzählt in ihren Filmen von der "anderen" Seite des amerikanischen Traums, von Loosern, die mit ihren Träumen scheitern oder allzu naiv und verträumt sind. Der Titel ihres neuesten Films, The Mastermind, ist pure Ironie; der Held James Blaine Mooney - JB genannt - ist ein arbeitsloser Familienvater. Er hat ein Kunststudium abgebrochen und eine Schreinerlehre gemacht, was den Sarkasmus seines Vaters - eines ehemaligen Richters - beflügelt. Doch JB hat andere Pläne, als eine bürgerliche Karriere anzustreben. Es sollte doch ganz einfach sein, ein paar Kunstwerke aus dem verschlafenen Museum der Kleinstadt zu entwenden!

Er übt schon mal mit kleineren Objekten, die er entwendet, ohne die Aufmerksamkeit der verschlafenen Wärter zu erregen. Doch bei all den übrigen Vorbereitungen für einen großen Kunstraub - der Louvre lässt grüßen - vertraut er auf simple Logik: Komplizen rekrutieren, Bilder rausschaffen, ins Auto legen und in einem Schweinestall verstecken. Dabei hat er nicht mal auf dem Schirm, dass er für die Kinder an genau diesem Tag verantwortlich ist ... und man die an einem Samstag auch nicht einfach bei der Schule absetzen kann. Dem Anfang wohnt bereits das Scheitern inne.

Mooney reiht sich ein in das Ensemble von Slackerfiguren, die das Werk der Independent-Filmemacherin Kelly Reichardt bevölkern. Menschen, die in den Lücken und an den Rändern existieren – aber nicht mit dem Glamour der überzeugten Außenseiter, sondern weil sie einfach nicht anders können.
Der Plan, eine Handvoll Gemälde des Künstlers Arthur Dove zu stehlen, ist nachlässig zusammengebaut. JB Mooney heuert ein paar Möchtegern-Gangster an, die ziehen sich Netzstrümpfe über den Kopf, nehmen die Bilder von der Wand und laufen zurück zum Auto. Ein irreales Unterfangen, aber basierend auf einem realen Kunstraub im Jahr 1972 im Worcester Art Museum in Massachusetts. In der Wirklichkeit hat es wenigstens für zwei Gauguins, einen Picasso und einen Rembrandt gereicht.

Fazit: Kunstraub als ruheloses, irreversibles Scheitern.

Interview mit Kelly Reichardt - epd-film.de

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Mittwoch, 25. März
18:00 Uhr
Rote Sterne überm Feld

von Laura Laabs
Deutschland 2025, 133 min
Im Anschluß Video Schaltung mit Laura Laabs auf der Leinwand

 

Rote Sterne überm Feld

Zweimal jährlich zeigen wir Filme mit der Volkshochschule im Keller. Und das sind keine Filme, die wir eh ins Programm genommen hätten, sondern es sind Raritäten, die uns begeistert hatten, aber im Kino untergegangen sind. Auch - müssen wir gestehen - Filme, die politisch sind und uns ungewohnte Perspektiven aufzeigen. Nach der satirischen Abrechnung mit der Stalin Ära Der Meister und Margarita kommt jetzt mit Rote Sterne überm Feld von Laura Laabs ein anarchistisch-satirischer Film über 100 Jahre deutsche Geschichte auf die Leinwand.
Wir hatten ihn am Startwochenende im kleinsten Saal des Berliner Kant Kinos gesehen und waren überwältigt davon, wie uns Laura Laabs, in ihrem ersten Kinofilm, mit einem Füllhorn an Geschichten und Ideen - staunend und begeistert - aus dem Kino entließ.
Einer der schönsten Filme des deutschen Kinojahres, schrieb Rüdiger Suchsland auf swr.de ... und dem können wir uns nur anschließen!

Wie es der Zufall so will, hat unser Sohn Claudio mit Laura Laabs gemeinsam an der Filmuniversität-Konrad Wolf in Babelsberg studiert, und so konnten wir Kontakt aufnehmen und sie nach Lohr einladen. Leider schafft sie es nicht, persönlich anzureisen, aber wir werden sie per Video Schalte in den Keller holen ... und ihr könnt sie mir Fragen überschütten.

"100 Jahre deutscher Geschichte" ... da kommt unseren eifrigen Kellergängern sofort In die Sonne schauen in den Sinn. Auch in Rote Sterne überm Feld spielt ein Haus eine Hauptrolle - Es ist das Haus in Bad Kleinen, in dem Laura aufgewachsen ist. Dorthin flieht die Aktivistin Tine, die mit einem Freund die Deutschland Fahnen auf dem Reichstag durch Rote Fahnen ersetzt hatte: "Ein brutal terroristischer Akt" ... und so flieht sie zu ihrem Vater nach Bad Kleinen; und in einer Fülle komischer und teilweise erschreckender Begebenheiten entfaltet sich ein Panorama deutscher Geschichte, wie man es noch nie gesehen hat.

Lassen wir Laura Laabs an dieser Stelle selbst zu Wort kommen: "Die Geschichten, die der Film aufgreift, die in der Vergangenheit liegen, sind reale Geschichten, die wie Mythen um dieses Dorf ranken. Es wurde hier Frontpost vom Zweiten Weltkrieg gefunden, die LPGler gab es, den missglückten Polizeieinsatz 1993 rund um die Festnahme zweier RAF-Terroristen … Diese Geschichten habe ich im Sinne meiner Geschichte angespitzt und verändert. Aber alles basiert auf wahren Begebenheiten rund um diesen Ort in Schwerin. Ich habe in Bad Kleinen den Spaten angesetzt und ein bisschen gegraben und eine ganze Menge erzählenswerter, erschreckender und vielleicht auch ermutigender Geschichten zu Tage gefördert. Das kann man auf ganz Deutschland übertragen. Ich wollte das exemplarisch zeigen an einem Ort, den ich gut kenne."

Fazit: Einmal quer durch die deutsche Geschichte vom Zweiten Weltkrieg bis zur Gegenwart. Der Film spielt mit Verweisen und Bezügen, Bildformaten und Genremustern.

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Interview - Laura Laabs über „Rote Sterne überm Feld“:
„Den Spaten angesetzt und ein bisschen gegraben“


 

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