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Im Kulturkeller Weinhaus Mehling, Hauptstrasse 30, 97816 Lohr am Main Eintritt: 5 € |
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MI 03. September 2025 |
![]() VERMIGLIOGanz ruhig und in betörenden Bildern erzählt uns die Drehbuchautorin und Regisseurin Maura Delpero in Vermiglio eine komplexe Familiengeschichte als grandioses Epos, bei dem innere und äußere Konflikte die Wucht klassischer Dramen annehmen. Wir befinden uns in Vermiglio, einem kleinen Dorf, 1261 Meter hoch gelegen in den Trentiner Bergen. Wir schreiben das Jahr 1944; der Zweite Weltkrieg geht dem Ende entgegen, ein Krieg, den die Bewohner des Dorfes nur über die Nachrichten mitbekommen. Sie sind arm, blieben aber in ihrer einsamen Bergregion vom Krieg verschont. Im Mittelpunkt des Films steht die Großfamilie Graziadei, dessen Oberhaupt Cesare ist, der Lehrer des Ortes: Ein strenger, anspruchsvoller, keinen Widerspruch duldender Erzieher, ein Patriarch wie aus Granit. Er ist der ruhende Pol des Dorfes, ein Liebhaber der Künste und der Musik. Im Dorf ist er eine Institution, doch in seiner Familie ist das Verhältnis ihm gegenüber ambivalent - changierend zwischen Akzeptanz seiner Autorität und leiser Auflehnung. Und dann sind da die drei Töchter, die sich ein Zimmer teilen: Ada lernt mit gewitztem Sinn die Welt kennen, Flavia entdeckt ihre Sexualität und Lucia die Liebe. Die Mutter Adele hält alles zusammen; sieben Kinder sind es, und ein Säugling auf dem Arm kommt noch dazu. Wir sehen, wie die Mutter vergeblich versucht, Cesare davon abzuhalten, das wenige Geld für Schallplatten und Tabak auszugeben, statt die Kinder satt zu kriegen. Und dann kommt ein Onkel aus dem Krieg zurück, zusammen mit Pietro, der diesem Onkel einmal das Leben gerettet hat. Die beiden wollen nicht mehr zurück in einen Krieg, von dem sie nicht wissen, für wen sie ihn kämpfen sollen. Mit den Deserteuren kommen Angst, Geheimnisse und - ja - auch Liebe in das Dorf. Maura Delpero hat sich von ihrer eigenen Familienchronik inspirieren lasssen. Sie ist in den Bergen aufgewachsen, und es ist ihr Großvater, der das Bild des Dorflehrers Cesare geprägt hat. Fazit: Die Geschichte aus einem einsamen Dorf, die uns über die Komplexität menschlichen Lebens staunen lässt. Ein Juwel! Interview mit der Regisseurin und Drehbuchautorin Maura Delpero | |
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Mittwoch, 10. September |
![]() Vier Mütter für Edward
Wer jemals Vater, Mutter oder sonstige Pflegebedürftige betreut hat, weiß, wie fordernd und zeitaufwändig dieser Liebesdienst sein kann. Doch was passiert, wenn man plötzlich nicht nur die eigene, sondern dazu noch drei weitere Mütter "am Hals" hat? Das ist nicht wirklich zu stemmen; wie unser Held Edward dies aber doch irgendwie in der Not auf die Reihe bekommt, davon erzählt der Film Vier Mütter für Edward von Darren Thornton, dessen Drehbuch er mit seinem Bruder Colin geschrieben hat. Da sind wohl viele eigene Erfahrungen aus der Pflege der Mutter der Thortons mit eingeflossen, die gleichermaßen nur noch mittels Computer kommunizieren konnte. In Vier Mütter ist Edward nun Ire und als solcher die Entbehrungen eines erfolglosen Schriftstellers gewohnt. So ist es zunächst auch ein bescheidenes, aber harmonisches Leben im kleinen Häuschen: Edward ist liebevoll und belastbar; Mutter Alma muss ihre Anweisungen in den Computer tippen, der diese stimmlich emotionslos an Edward weitergibt. Nur das beständige Drücken der Wiederholungstaste macht Stress. Das könnte so weitergehen und wir wären um einen Film ärmer, doch zwei parallel einbrechende Ereignisse bringen den Film auf Speed: Edwards neuer Roman wird von der Kritik gefeiert, und ein großer Verlag will ihn in den USA herausbringen. Doch damit ist eine Lesereise durch die Staaten verbunden - und zwei Wochen Kurzzeitpflege sind mir der geliebten, doch resoluten Mutter nicht zu machen! Zu allem Überfluss kann Edward zwar gut schreiben, das "schlaue" Reden darüber fällt ihm jedoch schwer. Wir schauen ihm bei den Vorbereitungen zu einer Radio Show zu, und es ist zum Verzweifeln! Und als wäre das nicht alles Tollhaus genug, kommen drei seiner Freunde auf die Schnappsidee, mal ein paar Tage auf einen Pride-Urlaub nach Spanien aufzubrechen ... und ihre Mütter noch schnell bei Edward "abzuladen". Ein paar alte Damen mehr sind doch wohl keine große Sache! Dass in der wunderbaren Riege der alten Ladies jede ihren eigenen "Kopf" hat und es versteht, die eigenen Ansprüche auch durchzusetzten, ist Quell für wunderbare Komik ... und auch Voraussetzung für ein schönes Happy End. Fazit: Irischer Witz und eine liebevolle Hommage an Mütter | |
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Mittwoch, 17. September |
![]() Was uns verbindet
"Ein Film zum Niederknien!, ... war unser gemeinsames Urteil, als wir aus dem Delphi Lux in Berlin nach Was uns verbindet wieder ans Licht gekommen sind. Mancher von euch wird sich auch noch an Eine bretonische Liebe von Carine Tardieu erinnern, der 2018 im Keller lief. Wie in diesem Film zeigt auch Was uns verbindet einen Mikrokosmos französischen Lebens in allen Höhen und Tiefen. Es geht um Lebensentwürfe, Familie in allen Facetten, natürlich Liebe und unerwartete Todesfälle... das volle Leben halt! Dass wir das Geschehen auf der Leinwand atemlos verfolgt hatten, ist nur leicht übertrieben. Es wird gegessen, getrunken, verführt und gestritten, dass es eine wahre Pracht ist. Inmitten dieses wunderbaren Chaos stehen die Kinder. Eines wird gerade geboren und dann ist da der aufgeweckte Elliott, aufgerieben zwischen dem trauernden Stiefvater und dem entfernten Austernzüchter - beide Kinder werden am Anfang des Films zu Halbwaisen, weil die Mutter bei der Geburt stirbt. Die emanzipierte Sandra ist bekennender Single, betreibt einen feministischen Buchladen und ist eine ziemliche Niete in Kochen und Haushalt. Zufällig lebt sie in der Wohnung gegenüber und bekommt eines Abends Elliott durch die Tür geschoben, als sich dessen ungeborener Bruder früher als geplant seinen Weg ins Leben einleitet. Eigentlich sollte Sandra nur für ein paar Stunden auf Elliott aufpassen, während dessen Eltern zur Entbindung überstürzt ins Krankenhaus entschwinden. Das "wenn immer ihr mal meine Hilfe braucht ...", war nur so dahingesagt. Aber jetzt ist Sandra mit dem altklugen Elliott in ihrer Junggesellingenbude allein. Sandra ist wie gelähmt, doch Elliott läßt ihr mit seinen 1000 Fragen keine Chance. Das ist nur der Anfang einer wahrhaft überraschenden, turbulenten, amüsanten und ja, auch traurigen Geschichte, die uns zwei Stunden in den Bann zieht. Mehr zu verraten, würde euren Genuss schmälern und so bleibt uns nur die unbedingte Empfehlung: Schaut ihn euch an! Fazit: Abenteuer einer dysfunktionalen Familie | |
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Mittwoch, 24. September |
![]() Die Witwe Clicquot
Wie guter Champagner ist Die Witwe Clicquot schon ein bisschen gereift, wa diesem wunderbaren Film von Thomas Napper keinen Abbruch tut. Fazit: |
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