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Filme im Dezember

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MI 7. Dezember 2022
17:30 & 20:00 Uhr
Der schlimmste Mensch der Welt

von Joachim Trier
Norwegen 2021, 127 min

 

Der schlimmste Mensch der Welt

Keine acht Minuten sind vergangen, da hat sie bereits zweimal das Studium und den Mann gewechselt!
In Joachim Triers letztem Teil seiner Oslo Trilogie erleben wir die Geschichte eines rastlosen Mädchens. Julie ist jung und intelligent, hat aber keinen Plan und stolpert durch ihr junges (Liebes-)Leben. Sie hat ein Medizinstudium abgebrochen, auch bei der Psychologie hält es sie nicht lange aus. Schließlich macht sie was mit Fotografie.
Sie ist schön, sie ist liebenswert, sie lebt in einer Blase der Wohlhabenden, die sich im Sommerhaus trifft und ausschweifende Parties feiert. Für Julie ist die Welt eine Wundertüte voller Möglichkeiten, zwischen denen sie sich nicht entscheiden kann, und so kann sie keine Erfüllung finden. Eigentlich wäre so eine Verlorene nicht die Heldin in einem Liebesdrama, aber Renate Reinsve spielt das mit solch einer lebensbejahrenden Frische, dass man sie einfach lieben muss. Dafür bekam sie 2021 den Preis als beste Darstellerin beim Filmfestival in Cannes.
Philipp Bovermann schrieb in der Süddeutschen Zeitung: "Die nur lose thematisch verbundene Oslo-Reihe endet nun, aber, wer hätte das gedacht, als ein leichtherziges romantisches Drama, stellenweise fast schon als eine romantische Komödie. Rückblickend wirken die ersten beiden, bereits hervorragenden Oslo-Filme wie ein Reifeprozess für einen großen Film über die Liebe, das Leben, nichts Geringeres - für ein Meisterwerk, das darf man hier ruhig mal schreiben."

Kellerkino für Kids
14. & 21. Dezember 2022
jeweils um 16:00 Uhr

Der kleine Rabe Socke - Suche nach dem verlorenen Schatz
von Verena Fels & Sandor Jesse
Deutschland 2019, 73 min

 

Der kleine Rabe Socke - Suche nach dem verlorenen Schatz

Bei der dritten Kino-Verfilmung eines Kinderbuchs von Nele Moost und Annet Rudolph mit dem kleinen Raben Socke haben die Filmemacher wieder alles richtig gemacht. Sie erzählen in einem ruhigen kindgerechten Tempo, und außerdem ist das Abenteuer um die Schatzsuche nicht zu aufregend, so dass auch die kleinsten Zuschauer sich nicht fürchten werden. Socke ist frech, mutig, neugierig, und muss von seinen Freunden immer ein wenig geschubst werden, damit er das Richtige tut und alles gut endet. Auf genau diese Freunde kann er sich immer verlassen, und so wird die Schatzsuche zu einem aufregenden, aber auch stets fröhlichen Abenteuer. Der Trickfilm ist in warmen, leuchtenden Farben gestaltet und die Figuren basieren auf den mit einem klaren Strich gezeichneten Illustrationen von Annet Rudolph. Die Handlung wird regelmäßig durch Lieder unterbrochen, und nicht nur hierbei zeigt es sich, dass es eine inspirierte Entscheidung war, Jan Delay die Texte des Titelhelden einsprechen und singen zu lassen. Denn der Musiker trifft genau den richtigen coolen, aufmüpfigen Ton, und in diesem Film bekommt er zudem die Gelegenheit, in einem Lied davon zu singen, wie gerne er König wäre. Die erwachsenen Zuschauer erinnern sich vielleicht daran, dass Rio Reiser auch schon einmal ein inhaltlich ganz ähnliches Lied gesungen hat. Auch sonst ist der Film wieder mit großer Sorgfalt synchronisiert worden, So spricht Anna Thalbach Frau Dachs und passend dazu Nellie Thalbach den Dachs-Sprössling. Und Dieter Hallervorden macht die Familie auf beste Weise komplett, wenn er Opa Dachs seine Stimme leiht.
Jury-Begründung zum Prädikat besonders wertvoll der Filmbewertungstelle

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MI 14. Dezember 2022
18:00 & 20:15 Uhr
Wir sind dann wohl die Angehörigen
von Hans-Christian Schmid
Deutschland 2022, 118 min

 

Wir sind dann wohl die Angehörigen

Viele werden sich noch erinnern: Die Entführung des Millionärs, Mäzens und Publizisten Jan Philipp Reemtsma war einer der spektakulärsten Kriminalfälle der 90er. Das legt zunächst einen Film oder eine Serie im so beliebten und allgegenwärtigen True-Crime-Format nahe.
Wir haben ihn natürlich gleich angeschaut - wie wir alles anschauen - und waren angenehm überrascht. Und da wir zu dem Pandora Filmverleih in Aschaffenburg ein so gutes Verhältnis haben, konnten wir ihn gleich für Dezember buchen.
Natürlich ist der Film ein Thriller, ein ungemein spannender noch dazu. Was ihn unterscheidet, ist das Fehlen der für dieses Genre üblichen Elemente: Täter, Opfer, Polizei und Angehörige in einem sich steigernden Crescendo der Ereignisse. Stattdessen stellt "Wir sind dann wohl die Angehörigen" - wie der Titel schon andeutet - ganz konsequent die Geschichte aus dem Blickwinkel der Angehörigen und Einsatzkräfte dar. Der Film beruht auch nicht auf Reemtsmas eigener Verarbeitung in seinem Buch "Im Keller", sondern auf der seines Sohnes Johann Scheerer, das 2018 unter dem Titel "Wir sind dann wohl die Angehö­rigen. Die Geschichte einer Entfüh­rung" veröffentlicht wurde.

Was den Film auszeichnet, ist die sorgfältige Recherche bei allen Beteiligten, was in einem Interview mit Hans-Christian Schmid und dem Drehbuchautor Michael Gutmann offensichtlich wird: "Ein Schlüsselmoment für Michael und mich war die erste Begegnung mit Johanns Mutter, Ann Kathrin Scheerer. Ihre Offenheit uns gegenüber hat uns gleichzeitig bewusst gemacht, wie groß unsere Verantwortung ist. Wir nehmen uns da ja ganz schön was raus: Als Außenstehende maßen wir uns an, etwas über die innersten Bereiche einer Familie in einem Ausnahmezustand zu erzählen. Sie bat uns, möglichst ‚psychologisch genau’ und ‚nicht unterkomplex’ zu erzählen.
Bei einem weiteren Treffen, als schon die erste Buchfassung vorlag, sagte sie: „Im Drehbuch steht, dass ich auf dem Polizeirevier einen Zusammenbruch habe. Das stimmt nicht, ich hatte da nie einen Zusammenbruch.“ Ich dachte, sie haut uns das gleich um die Ohren, aber dann sagte sie: „Für mich klingt es genau richtig so. Genau so hab‘ ich mich gefühlt, zu dieser Zeit.“ Das hat uns Mut gemacht, den Stoff frei zu bearbeiten, solange es uns gelingt, die Gefühle der Beteiligten auszudrücken."

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MI 21. Dezember 2022
18:00 OmU & 20:00 Uhr
Meine Stunden mit Leo

von Sophie Hyde
Großbritannien 2022, 97 min

 

Meine Stunden mit Leo

Was ihr schon immer über Sex wissen wolltet, aber bisher nicht zu fragen wagtet

Wir waren erst mal skeptisch, als wir den Trailer zu "Meine Stunden mit Leo" wieder und wieder in unseren Berliner Kinos sahen. Eine pensionierte Lehrerin hofft bei einem Sexarbeiter die Erfüllung zu finden, die ihr im Eheleben versagt geblieben ist. Das kann doch nur schräg und peinlich werden! Aber wir schauen und ja alles an, besonders wenn Emma Thompson spielt und der Film bei der Berlinale und beim Sundance Festival lief.
Als wir dann endlich den Film selbst sahen, waren wir von den Socken. Im gut gefüllten Kino - damals eine Seltenheit - erlebten wie ein umwerfend komisches Kammerspiel über Sex, Lügen und Einsamkeit ... und das Publikum ging mit und war vergnügt wie selten.
Die Autorin Katy Brand erinnert sich an eine Vision der Eröffnungsszene, die der Ausgangspunkt ihres Drehbuchs war: „Eine Frau von etwa 60 Jahren wartet in einem Hotelzimmer auf einen jungen Mann, mit dem sie Sex gebucht hat. Ein Sexarbeiter. Ich sah das Bild dieser Szene, diese wartende Frau, und der Typ, der auftauchte und du hörst nur dieses leise Klopfen an der Tür und sie öffnet die Tür und dann fangen wir an. Sobald sich die beiden Charaktere treffen, begann der Dialog zu fließen", ... und so geschliffene Dialoge sieht man nur selten im Kino!
Die australische Regisseurin Sophie Hyde schreibt über ihren Film: "Körper, unsere Scham, unsere Fehlkommunikation, unsere sexuellen Verbindungen und Frustrationen sind lustig, berührend und oft tragisch. Ich glaube, wir sehnen uns nach Geschichten, die uns widerspiegeln und herausfordern. Und die es uns ermöglichen, darüber nachzudenken, wie wir miteinander umgehen."


 

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