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Filme im Januar 2023

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MI 1. Januar 2023
18:00 OmU & 20:15 Uhr
Das Leben ein Tanz

En Corps
von Cedric Klapisch
Frankreich 2022, 117 min

 

Das Leben ein Tanz

Endlich gibt es um 18:00 mal wieder eine französische Originalfassung mit Untertiteln.

Hätte sie nach dem Wunsch des Vaters mal lieber Jura studiert statt sich einen der brutalsten Berufe auszusuchen. Doch Elise - die erste Filmrolle der Tänzerin Marion Barbeau - brennt für das Ballett. Dass ihre Karriere schon mit 26 Jahren enden würde, war nicht Teil ihres Lebensplans.
"En Corps", so der Originaltitel, ist kein Film des an die Grenzen - Gehens, wie so viele Ballettfilme, "Black Swan" von Darren Aronofsky ist wohl das schrecklichste Beispiel. Klapisch ist an den Charakteren interessiert, an ihren Sehnsüchten, Schwächen, Schrullen. Und so ist dieser Film eine Tanzkomödie geworden, in der Elise nach ihrem tragischen Sturz - über den Umweg als Küchenhilfe in einer Künstlerresidenz in der Bretagne - wieder in ihren Traumberuf zurückfindet. Vom klassischen Ballett kommt sie zum modernen Tanz. Der aus Israel stammende Choreograph Hofesh Shechter spielt sich selbst, er gilt als einer der interessantesten Köpfe der internationalen Tanzszene.

Cédric Klapisch hat hier einen Kurzauftritt als Bühneninspizient und besiegelt damit seine Begeisterung für das Ballett, die sich unterschwellig in seinen Spiel- und explizit in seinen Dokumentarfilmen zeigt. In der Hauptrolle gibt Marion Barbeau, Primaballerina an der Opéra de Paris, ihr eindrucksvolles Kinodebüt
Seinem Thema nähert er sich als ein Regisseur der fruchtbaren Koexistenz. Den zeitgenössischen Tanz spielt er nicht gegen das klassische Ballett aus. Den altgedienten Exotismus der »Bayadère« rechnet er nicht auf gegen den aufgeklärten von Shechters »Political Mother«. Klapisch ist vielmehr neugierig auf die unterschiedlichen Codes, die in den zwei Disziplinen herrschen. Er erkundet die Ordnung, die hier strenger und dort freier ist, in der sich aber jeweils eine kollektive Energie Bahn bricht. Die Erfahrungen, die Klapisch in seinen Dokumentarfilmen über das Ballett der Opéra de Paris gesammelt hat, zahlen sich aus: Der Tanz braucht Raum, keine Montage. In ausgreifenden Plansequenzen betrachtet Kameramann Alexis Kavyrchine die Choreographien und bringt ihre Lebhaftigkeit feinnervig zur Geltung. Ballettszenen geraten auf der Leinwand oft zu Leerstellen der Virtuosität und Ehrfurcht. Klapisch jedoch nutzt sie, um von den Körpern der Tanzenden zu erzählen, also von ihren Erfahrungen, Ambitionen und Hoffnungen.
Gerhard Midding - epd-FILM


 

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