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Àdam
Marokko, Frankreich 2019, 98 min
• Mitwirkende
Able: Lubna Azabal
Samia: Nisrin Erradi
Warda: Douae Belkhaouda
Slimani: Aziz Hattab
• Crew
Regie: Maryam Touzani
Buch: Maryam Touzani & Nabil Ayouch
Kamera: Adil Ayoub
Schnitt: Julie Naas

 

Àdam

Pressestimmen

Die marokkanische Leibspeise Rziza besteht aus Nudeln, die zu einem Turban geformt und dann gebacken werden. Eine Maschine kann das auch, aber so richtig gut gelingt es nur von Hand, denn man muss ein Gefühl haben für den Teig. Samia hat dieses Gefühl. Sie hat von ihrer Großmutter gelernt, wie man Rziza macht. Und so etwas vergisst man dann nicht mehr, auch nicht in einer schweren Notlage, in der Samia ist. Sie geht in Casablanca von Tür zu Tür und fragt nach Arbeit. Haare schneiden, im Haushalt helfen, sie würde alles tun. Zu alledem braucht sie auch noch ein Quartier. Denn sie ist unübersehbar hochschwanger, in die große Stadt ist sie gekommen, weil sie daheim in ihrem Dorf nicht auf Hilfe hoffen kann. Schließlich trägt sie ein "Kind der Sünde" in ihrem Bauch

Bert Rebhandl - Frankfurter Allgemeine Zeitung

Zu dem Film inspiriert hat mich eine tatsächliche Begebenheit. Ich kannte eine junge Frau – vieles von ihr sehen wir hier in Samia wieder – die auf der Flucht vor ihrer Familie in Tanger gelandet war, nachdem sie schwanger geworden und von dem Mann verlassen worden war, der ihr versprochen hatte, sie zu heiraten. Aus Angst und Scham hatte sie weder ihren engen Freund*innen noch ihren Verwandten von der Schwangerschaft erzählt und sie monatelang geheim gehalten. Weit weg von zu Hause hoffte sie, ihr Kind heimlich zur Welt zu bringen und es vor der geplanten Rückkehr in ihr Dorf wegzugeben. Meine Eltern nahmen die junge Frau bei sich auf, obwohl sie sie gar nicht kannten. Ihr Aufenthalt sollte nur einige Tage dauern, doch sie blieb mehrere Wochen, solange, bis ihr Kind schließlich geboren wurde.
Diese Samia war sanft, introvertiert; sie liebte das Leben. Sie war oft beschwingt und lebensfroh, doch ich sah ihren Schmerz. Und vor allem sah ich, wie innerlich zerrissen sie über dieses Kind war, von dem sie glaubte es aufgeben zu müssen, um mit ihrem Leben weiterzumachen. Ich sah, wie sie sich zunächst bewusst weigerte, das Kind zu lieben. Ich sah, dass sie es nicht ansehen, berühren oder annehmen wollte, doch auch, wie dieses Kind sich ihr allmählich aufdrängte und wie ihr mütterlicher Instinkt langsam erwachte, den sie so sehr unterdrücken wollte. Ich sah, wie sie dieses Kind liebte, wie sie es mit der unerschütterlichen Liebe einer Mutter liebte, obwohl sie doch wusste, dass ihre Zeit mit ihm zu Ende ging.
An dem Tag, als sie ihr Kind weggeben wollte, wollte sie zeigen, wie stark und würdevoll sie doch war. Ich hielt sie für ungeheuer mutig, erst recht, weil ich das Leid spüren konnte, das dieser Schritt für sie bedeutete. Gleichzeitig hoffte ich tief in meinem Inneren, dass sie es behalten und sich der Gesellschaft, ihren Eltern, ihrer Familie stellen würde. Ich war ganz sicher ziemlich naiv und bin es wahrscheinlich immer noch. Ich hatte damals keine Ahnung, dass ich diese Frau und ihre Geschichte so viele Jahre lang in mir tragen würde.

Statement der Regisseurin Maryam Touzani

Trailer

Fotos






























 

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