Sorry Baby
USA 2025, 104 min • Darsteller
Agnes: Eva Victor
Lydie: Naomi Ackie
Preston Decker: Louis Cancelmi
Natasha: Kelly McCormack
Gavin: Lucas Hedges
Pete: John Carroll Lynch • Crew
Regie: Eva Victor
Drehbuch: Eva Victor
Kamera: Mia Cioffi Henry
Schnitt: Randi Atkins, Alex O'Flinn
Musik: Lia Ouyang Rusli
Sorry, Baby
Pressestimmen
Eine Biographie in fünf Kapiteln
Sorry, Baby wiegt das Publikum also zunächst in falscher Sicherheit. Wenn Lydie und Agnes einander aus ihrem Leben erzählen, über die Männerwelt und deren Stilblüten scherzen oder wenn Agnes’ Affäre mit ihrem Nachbarn (Lucas Hedges) plötzlich auffliegt, dann sind das amüsante Szenen eines Hangout-Films. Man verbringt gern Zeit mit den beiden Protagonistinnen, aber nach kurzer Zeit kippt das Ganze in seiner erzählerischen Ausrichtung. Nämlich dann, wenn man erfährt, was Agnes eigentlich widerfahren ist, und plötzlich setzt der Film zur Zeitreise an.
In fünf Kapitel ist der Film unterteilt und verschachtelt. Die Bezeichnungen dafür klingen zunächst ganz banal. Sie lauten etwa »The Year With The Baby«, »The Year With The Good Sandwich« oder »The Year With The Bad Thing«. The bad thing, was soll sich schon dahinter verbergen? Die Antwort folgt schnell. Sorry, Baby ist ein Film über sexuelle Gewalt und Übergriffigkeit, aber zuvorderst auch ein Film über das Sprechen genau darüber. Welche Worte wählt man wofür? Welche Worte wählen Betroffene, um über das Erlebte zu sprechen? Welche Auslassungen und Umschreibungen nehmen sie dafür vor? Aber auch: Wie sprechen andere, Unbeteiligte darüber?
Janick Nolting - artechock.de
Wie überhaupt eine Stärke des Films in der stillen Intensität liegt, mit der er pointierte Schlaglichter auf Agnes' »Überleben« wirft und dabei typische Situationen auf intelligente Weise variiert. So wird die Tat zwar gewissermaßen vor Gericht »verhandelt« und später kommt es zu einer Art therapeutischer Aussprache (mit John Carroll Lynch in einem wundervollen Ein-Szenen-Auftritt) – jedoch ist beides fernab der üblichen Konventionen gestaltet. Zugleich gelingt es Victor, das ernste Thema mit Momenten feinen Humors und sogar einem Hauch Romantik zu verflechten, zum Beispiel wenn Agnes eine Affäre mit ihrem Nachbar (exzellent: Lucas Hedges) beginnt. Kai Mihm - epd-film.de
Ein kleines Häuschen, einsam gelegen in freier Natur. Hier lebt - ganz allein - Agnes, eine junge Literaturprofessorin in Neuengland, gespielt von Eva Victor. Zu Studentenzeiten hat sie das Haus mit ihrer Freundin Lydie bewohnt. Nun kommt die WG-Schwester von einst für ein unbeschwertes Mädelswochenende vorbei.
Man erlebt hier zwei Frauen, die eine innige Zuneigung verbindet. Auf der Couch lümmelnd lachen und lästern sie über Sex und Männer; beim Spazierengehen erzählt Lydie Agnes, dass sie ein Baby erwartet. Aber man ahnt auch, dass die beiden einiges zusammen durchgemacht haben. Offenbar ist vor vier Jahren etwas passiert, das Agnes bis heute zu schaffen macht.
Der Film springt zurück in "Das Jahr mit der schlimmen Sache", wie eines von fünf Kapiteln betitelt ist. Agnes ist noch Studentin; ein Prof, der sie für ihre herausragende Doktorarbeit mit Lob überschüttet, bestellt sie zur Sprechstunde in sein Privathaus. Was genau dort passiert, ist im Bild nicht zu sehen. Die Kamera bleibt vor der Haustür, während es allmählich dunkler wird, die Lichter im Haus angehen. Heraus aber kommt schließlich eine völlig aufgelöste Agnes mit offenen Schuhbändern.
Walli Müller - ndr.de/kultur