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Im Kulturkeller Weinhaus Mehling, Hauptstrasse 30, 97816 Lohr am Main Eintritt: 5 € |
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Der Fremde |
Der FremdePressestimmenIm Kontext von Ozons bisherigem Werk erscheint »Der Fremde« zunächst wie eine asketische Übung, von ironischen Brechungen weitgehend befreit. Gleichzeitig schleichen sich vertraute Motive ein, das Interesse am Körper und an Figuren, die soziale Tabus überschreiten. Der Abspann mit »Killing an Arab« von The Cure setzt schließlich einen letzten Akzent. Der Song, seit seiner Veröffentlichung 1979 selbst Gegenstand von Missverständnissen und Kontroversen, schlägt eine Brücke zu heutigen Diskursen um Rassismus und Repräsentation. Und verdeutlicht mit diesem Schlussakkord den inneren Widerspruch eines Films, der zugleich historische Treue beansprucht und sanft Gegenwartssensibilität demonstriert. Es ist der unbarmherzige Ton von Camus’ in knappen Sätzen verfasster Geschichte, die das Buch 1942 zu einem düsteren Bestseller des Existenzialismus machten. Die von Meursault immer wieder deutlich ausgedrückte Absage an das Leben wirkt in François Ozons neuer Kinoadaption, der zweiten nach Luchino Viscontis Fassung aus dem Jahre 1967, ebenso ungeheuerlich und faszinierend wie im Originaltext. Denn obwohl Meursault (Benjamin Voisin) auf seine Gefühllosigkeit und auf die Sinnlosigkeit seiner Existenz pocht, bleiben seine körperlichen Sinne hochaktiv. Es werden eine ganze Reihe von Themen verhandelt oder zumindest angesprochen. Ob es nun die Kolonisierung Algeriens durch Frankreich ist, gesellschaftliche Normen, Religion oder das Spannungsfeld eines inneren Empfindens und einer äußeren Darstellung, da ist eine Menge geboten, ohne dass Ozon definitive Antworten geben würde. Das Drama, das 2025 im Wettbewerb von Venedig Weltpremiere hatte, ist zudem audiovisuell ein Genuss. Es ist gerade der Kontrast zwischen der sehr sinnlichen Inszenierung und dem regungslosen Äußeren des Protagonisten, die Der Fremde zu einer ganz eigenen Seherfahrung machen. Hinzu kommt die fremdartige Musik und ein Ensemble, die ihren Anteil daran haben, dass das Werk zwar selbst fremd ist, dabei aber immer sehenswert ist.
Trailer |
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