Ingeborg Bachmann – Jemand, der einmal ich war
Deutschland 2026, 96 min • Darsteller
Ingeborg Bachmann: Sandra Hüller
Ingeborg Bachmann: (Archivaufnahmen) • Crew
Regie: Regina Schilling
Drehbuch: Regina Schilling
Kamera: Johann Feindt
Schnitt: Carina Mergens
Musik: Anja Plaschg
Ingeborg Bachmann – Jemand, der einmal ich war
Pressestimmen
In einer Konstellation aus Archivmontage und rekonstruierten Szenen, die Bachmanns letzten Romaufenthalt imaginieren, nähert sie sich der Autorin an. Auf der Tonspur werden Tagebucheinträge und Passagen aus den Prosatexten – teils von Bachmann selbst – vorgelesen. Daneben werden die bekannten Stationen ihres Lebens chronologisch nacherzählt: die Klagenfurter Kindheit, die Zugehörigkeit zur Gruppe 47 sowie die Beziehungen zu Paul Celan, Hans Werner Henze und Max Frisch. [...]
Im Versuch, der Autorin Ingeborg Bachmann durch Sandra Hüller einen Körper zu verleihen, findet der Film nicht zu jener imaginierten Begegnung. Nur im Raum der Stimme findet die literarische Begegnung mit Bachmann statt. Sandra Hüller spricht sanft und zugleich selbstbewusst die Texte im Voice-Over ein – es entsteht ein Widerhall von Bachmanns Stimme. In Verbindung mit den dokumentarischen Archivaufnahmen ergibt sich momenthaft eine kongeniale Bewegung, in der die Autorin nicht vereinnahmt wird, sondern ihren Rückzug bewahrt.
Amelie Hochhäusler - artechock.de
Rom Anfang der 70er ist auch der Fixpunkt des Films. Ingeborg Bachmann ist 45, eine gefeierte Lyrikerin, die nach jahrelangen Schreibblockaden mit Malina endlich wieder im Gespräch ist. Das Buch über eine komplizierte Dreiecksbeziehung führt wochenlang die Bestsellerlisten an, die Schriftstellerin geht auf Lesereisen, wird für Interviews angefragt. Gleichzeitig quälen sie immer noch Angstzustände, sie ist alkohol- und tablettenabhängig. Und einsam. Regina Schilling nähert sich den existenziellen Gefühlsstürmen mit ruhigen Bildern. Sie versucht kein dramatisches Re-Enactment – kein brennendes Bett, kein hysterischer Zusammenbruch – sondern lässt Bachmann durch ihre Texte sprechen. Aus Erzählungen, Romanfragmenten, Briefen und Tagebucheinträgen hat die Regisseurin eine vielschichtige Textcollage zusammengewebt, die das narrative Gerüst des Films bildet.
Ute Thon - critic.de
Schreiben als Lebenselixier
Schreibtisch, Schreibmaschine, leeres Blatt: Sandra Hüller blickt in die Kamera, so wie Ingeborg Bachmann zuvor auf einem Foto ins Objektiv geschaut hatte, den Kopf aufgestützt, eine Hand an der rechten Backe. „Ich existiere nur, wenn ich schreibe“, sagt sie. „Bist du traurig?“, fragt eine Stimme aus dem Off. Dann bittet die Regisseurin, den Text in einem weiteren Take zu wiederholen. Dieses Mal auf selbstbewusste Art. „Das ist schwierig in dieser Haltung, aber ich versuch’s“, antwortet die Schauspielerin leicht genervt. Dass es beide Takes in den fertigen Film geschafft haben, bedeutet zweierlei. Zum einen gibt der Film Auskunft über die Machart seiner Spielszenen, die die Montage aus Fotos, Radio- und Fernsehinterviews sowie rarem Filmmaterial ergänzen und mit ihr verschmelzen. Der Versuch einer Annäherung, aber keine klassische Verkörperung wird sichtbar in diesem einen fiktiven Tag, den Sandra Hüller weitgehend stumm in Rom verbringt, mit selbst eingesprochenen Texten der Dichterin im Ohr. In einer dem Original nachempfundenen Wohnung, beim Streifzug durch die Stadt, einer Autofahrt ans Meer und zu etruskischen Grabstätten.
Peter Gutting - film-rezensionen.de