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Im Kulturkeller Weinhaus Mehling, Hauptstrasse 30, 97816 Lohr am Main Eintritt: 5 € |
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Amrum |
AmrumPressestimmenLaura Tonke sorgt dafür, dass die Löwenmutter nie zum Klischee wird, obwohl sie eine verbissen uneinsichtige Nationalsozialistin ist, die ihren Ältesten inquisitorisch verhört, um herauszufinden, wer denn gesagt habe, dass der Krieg bald zu Ende sei: »Wer unseren Soldaten in den Rücken fällt, muss schwer bestraft werden, damit andere, die das auch tun wollen, sich das gut überlegen«, fordert sie. Noch nachts und kurz vor der Geburt läuft sie geschäftig los, um den Hochverrat zu melden. Die Nachricht von Hitlers Selbstmord stürzt sie in Depressionen; sie sorgt sich darum, in welcher Welt ihr Neugeborenes nun aufwachsen muss, als die meisten Inselbewohner schon tanzend das Kriegsende feiern. Genauer basiert der Film auf den Kindheitserinnerungen von Hark Bohm, mit dem Akin bereits mehrere Male zusammengearbeitet hatte und der hier als Co-Autor auftritt. Der Blick zurück ist dabei nicht verklärend, wenn uns Amrum die schwierigen Lebensumstände der Menschen zum Ende des Zweiten Weltkriegs vor Augen führt. Immer wieder wird thematisiert, wie rar für uns alltägliche Lebensmittel waren. Wenn die gesamte Geschichte daran aufgezogen wird, dass der Junge ein simples Weißbrot mit Butter und Honig besorgen will, dann ist klar: Ein Zuckerschlecken ist das nicht. Akin nimmt sich auch sehr viel Zeit, um den Alltag mit all seinen Entbehrungen aufzuzeigen, ohne sich deshalb aber dem Voyeurismus hinzugeben. Der tägliche Kampf wird nicht aufgebauscht, nicht ausgeschlachtet, sondern als etwas gezeigt, was so normal geworden ist, dass die Leute es gleichmütig hinnehmen. Vor der Kulisse der titelgebenden nordfriesischen Insel erzählt Fatih Akins Hommage-Film an seinen Freund und Mentor Hark Bohm eine klassische Coming-of-Age-Geschichte über Reifung, Schuld und die Suche nach Orientierung in der Übergangszeit zwischen Kriegsende und Neubeginn. Dabei streift „Amrum“ seine politische Ausgangslage nur am Rand und konzentriert sich stattdessen radikal auf die Innenperspektive eines Kindes. Im Zentrum steht der Junge Nanning, dessen scheinbar banales Ziel – für seine Mutter ein Weißbrot mit Butter und Honig zu organisieren – zur Chiffre für Verantwortung, Solidarität und moralische Bewährungsproben wird. Akin nutzt die Suche nach den dafür notwendigen Zutaten als dramaturgisches Gerüst, um Nanning mit unterschiedlichsten Figuren zu konfrontieren. Die strukturierende Idee einer episodischen Odyssee durch die Inselgemeinschaft – von Tauschgeschäft zu Tauschgeschäft, von Begegnung zu Begegnung – verleiht „Amrum“ einen fast märchenhaften Anstrich. Das ist reizvoll, weil es eine rhythmische Leichtigkeit erzeugt und den humanistischen Kern der Geschichte herauskristallisiert.
Trailer |
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